Wer es mit Private Equity hält, der kann nach drei kritischen Jahren erleichtert aufatmen. Der Patient lebt und es geht ihm besser als je zuvor. Denn 2025 ist es der europäischen Private-Equity-Branche endlich gelungen, dem dahinsiechenden M&A-Markt neues Leben einzuhauchen. Mit 8.878 abgeschlossenen Transaktionen im Gesamtwert von rund 650 Mrd. Euro verbuchte die Branche dem Datenanbieter Pitchbook zufolge das beste Jahr aller Zeiten – und toppte damit sogar leicht die bisherige Bestmarke aus dem Jahr 2021. Das wiederum könnte den gestörten Private-Equity-Kreislauf wieder in Schwung bringen.
Die im Sommer 2022 eingeleitete Zinswende hatte im Markt für große Verunsicherung gesorgt. Käufer und Verkäufer lagen bei ihren Einschätzungen zu Unternehmenswerten über Kreuz. Deals fanden in der Folge nicht statt oder wurden verschoben. Das wiederum führte zu weniger Exits, wodurch Private-Equity-Manager ihren Investoren weniger Gewinne ausschütten konnten, die Investoren jedoch benötigt hätten, um in neue Private-Equity-Fonds zu reinvestieren. Die Folge: Das Fundraising ist seit 2021 rückläufig.
Private Equity durchbricht Teufelskreis
Die Private-Equity-Branche befand sich über mehrere Jahre in einem Teufelskreis, der 2025 endlich durchbrochen wurde. Private-Equity-Manager fassten wieder Vertrauen, akzeptierten das neue Marktumfeld und durchschlugen den gordischen Knoten. Sie wagten sich wieder an größere Deals, auch in Deutschland. Zu einer Bewertung von rund 10 Mrd. Euro übernahm Capvest den Generikahersteller Stada von Bain und Cinven. Für rund 7,7 Mrd. Euro übernahm Carlyle die BASF-Lacksparte Coatings.
Das sind zweifelsohne positive Zeichen, die der M&A-Markt 2025 gesendet hat, und sie machen Mut für das laufende Jahr. Doch alles gut, ist damit freilich noch lange nicht. Private-Equity-Manager haben im vergangenen Jahr zwar nachgewiesen, dass sie das ihnen anvertraute Kapital – für das die Manager fürstliche Verwaltungsgebühren einstreichen – zum Arbeiten bringen können. Doch allein damit haben sie das Vertrauen ihrer Investoren noch nicht komplett zurückgewonnen. Dazu müssen Private-Equity-Manager dieses Jahr auch bei den Exits liefern und ihren Investoren Rückflüsse und gute Renditen ermöglichen.
Fundraising weiter unter Druck
Hier fiel die Erholung im vergangenen Jahr noch nicht so gut aus, wie Zahlen von Pitchbook zeigen. Die Anzahl erfolgreicher Exits beziffert der Datenanbieter 2025 in Europa mit 1.737. Das sind zwar in etwa genauso viele Exits, wie im bisherigen Rekordjahr 2021 stattfanden. Doch beim Volumen hinkt die Branche noch stark hinterher. Die Differenz liegt Ende 2025 immer noch bei knapp 30%. Die logische Folge daraus ist, dass das Private-Equity-Fundraising im vergangenen Jahr weiter rückläufig war. Laut Pitchbook waren in Europa lediglich 124 Fundraising-Prozesse erfolgreich. Das aggregierte Fondsvolumen von rund 81 Mrd. Euro markierte den niedrigsten Stand seit 2015. Ein klares Zeichen für die Zurückhaltung der Investoren.
Der Auftrag für 2026 ist damit klar: Private-Equity-Manager müssen echte Exits nachweisen. Entweder durch Verkäufe an Strategen oder Finanzinvestoren oder über Börsengänge. Notlösungen der vergangenen Jahre, wie das Verschieben von Portfoliounternehmen in sogenannte Continuation Fonds oder in andere Fonds, haben in einem ausgetrockneten Markt zwar ein gewisses Maß an Mindestliquidität möglich gemacht. Doch nachhaltig werden diese Fake-Exits den Private-Equity-Kreislauf nicht am Laufen halten. Die Private-Equity-Branche hat 2025 ein fulminantes Comeback gefeiert, doch ohne mehr echte Exits im Jahr 2026 bleibt der Boom ein statistisches Trugbild.