Als Moonshots bezeichnet man in der Venture-Capital-Szene Investments, die als extrem ambitioniert und hochriskant gelten. Die Fallhöhe ist enorm – doch geht der Deal auf, werden Investoren reich. Der Begriff stammt aus dem Apollo-Mondlandeprogramm der USA in den 1960er-Jahren: technisch gewagt, extrem teuer und alles andere als sicher. Der Ertrag jedoch war immens – nicht finanziell, sondern in Form bahnbrechenden technologischen Fortschritts.
SpaceX ist der Inbegriff eines Moonshot-Investments – im wahrsten Sinne des Wortes. Wie in dieser Woche bekannt wurde, plant Elon Musk bei einem möglichen Börsengang seiner Raketenfirma, rund 50 Mrd. Dollar einzusammeln und strebt dabei eine Bewertung von 1,5 Bill. Dollar an. Es wäre der größte Börsengang aller Zeiten – und womöglich erst der Anfang. Denn der 384.400 Kilometer entfernte Mond ist für SpaceX lediglich eine Zwischenstation. Das eigentliche Ziel liegt weiter draußen: der Mars. Je nach Konstellation ist er zwischen 60 und 400 Millionen (!) Kilometer von der Erde entfernt.
Vielleicht sprechen wir also bald nicht mehr von Moonshots, sondern von Marsshots. Wir jedenfalls sind schon jetzt – frei nach Peter Schilling – völlig losgelöst von der Erde und blicken von oben auf die folgenden Newsletter-Themen:
Die große Venture-Capital-Analyse (Story der Woche)
Alexander Doll und Stefan Moosmann rocken CVC DIF (Köpfe der Woche)
Tech Deep Dive mit Julian Riedlbauer (Podcast)
Neues von Blackrock, Alcentra und Permira (Weitere News)
Wir wünschen viel Gewinn beim Lesen!
Ihr Philipp Habdank
DIE STORY DER WOCHE
Startup-Finanzierungen 2025: Größere Runden, weniger Deals – und der Abstand zu den USA wächst
Die Finanzierungsbedingungen für deutsche Startups haben sich 2025 erneut verbessert. Laut EY stieg das Volumen der Finanzierungsrunden um 19% auf 8,4 Mrd. Euro – der höchste Wert seit 2021/22 und das drittbeste Jahr überhaupt. Zu den größten Finanzierungsrunden zählten der Münchner KI-Kampfdrohnenhersteller Helsing (600 Mill. Euro), der Batteriespeicher-Spezialist Green Flexibility aus Kempten (400 Mill. Euro) sowie die Biotechfirma Tubulis aus München. Regional lagen Bayern, Berlin und Baden-Württemberg vorn, wobei sieben der zehn größten Deals nach Bayern gingen.
Trotz steigender Investitionssummen nahm die Zahl der Deals 2025 bereits zum vierten Mal in Folge ab. Mit 716 Finanzierungsrunden wurden 5% weniger Abschlüsse gezählt als im Vorjahr und deutlich weniger als im Rekordjahr 2021. Der Anstieg des Gesamtvolumens ist vor allem auf größere Deals zurückzuführen: 18 Runden überschritten die Marke von 100 Mill. Euro. Gleichzeitig ging die Zahl kleiner Finanzierungen weiter zurück. Im zweiten Halbjahr kühlte sich der Markt spürbar ab, sowohl bei der Dealzahl als auch beim Investitionsvolumen.
Österreich fällt ab
EY-Partner Thomas Prüver sieht die Investitionsbereitschaft der Kapitalgeber nach dem Einbruch 2023 zwar deutlich erholt, verweist aber auf strukturelle Belastungen für den Standort Deutschland. Hohe Energiekosten, Fachkräftemangel, komplexe Regulierung und eine schwierige Konjunktur wirkten dämpfend. Dennoch gelinge es reiferen Startups wieder besser, Kapital einzuwerben, während sehr junge Unternehmen weiter unter Druck stehen. Prüver betont die Bedeutung von Startups als Impulsgeber, die gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten flexibel auf neue Trends reagieren können.
Während sich die europäische Gründerszene insgesamt erholte, geriet Österreich weiter ins Hintertreffen. Startups sammelten dort 2025 nur noch 253 Mill. Euro ein – ein Rückgang von 56% und der niedrigste Wert seit 2019. Große Finanzierungsrunden über 50 Mill. Euro blieben aus; die größte Runde entfiel auf den Wiener Gebrauchtelektronik-Händler Refurbed mit 50 Mill. Euro, getragen vor allem von einem US-Investor. Seit dem Boomjahr 2021 schrumpfen die Investitionen kontinuierlich.
Nach Einschätzung von EY ziehen sich internationale Geldgeber zunehmend aus Österreich zurück. Lag ihr Anteil 2021 zeitweise noch bei über 90% des Investitionsvolumens, stammte 2025 nur noch rund ein Viertel aus rein internationalen Runden. Als Gründe nennt EY fehlende Deal-Größe, begrenzte Wachstumstiefe und unsichere Anschlussfinanzierungen. Vertreter von EY und invest.austria sehen steuerliche Anreize und eine stärkere Einbindung institutioneller Investoren als mögliche Hebel, um den Markt wieder zu beleben.
Funding Gab zu den USA wird größer
Global konzentriert sich Wagniskapital immer stärker auf die USA. Laut CB Insights flossen im vergangenen Jahr fast 70% aller weltweiten Startup-Investments dorthin, nach rund 50% in den Jahren zuvor. Treiber ist vor allem der KI-Boom: Die derzeit bestfinanzierten KI-Startups kommen allesamt aus den USA, allen voran OpenAI mit einer Rekordrunde von 40 Mrd. Dollar. Entsprechend sitzen auch die aktivsten Investoren – darunter Y Combinator, Andreessen Horowitz und Sequoia – überwiegend im Silicon Valley, das von einem stetigen Zustrom an Tech-Talenten profitiert.
Die Rekordrunde von OpenAI könnte dieses Jahr von einer anderen US-Firma in den Schatten gestellt werden. SpaceX, das Raketen-Startup von Elon Musk, könnte laut Medienberichten bei einem Börsengang dieses Jahr 50 Mrd. Dollar einsammeln – zu einer Bewertung von 1,5 Bill. Dollar. Es wäre der größte Börsengang aller Zeiten – das wäre im wahrsten Sinne des Wortes ein echter „Moonshot" für die VC-Szene.
DIE NEWS DER WOCHE
+++Private Equity nutzt Continuation Funds zunehmend als Exit-Kanal. Der Secondaries-Markt erreicht Rekordvolumina, Investoren erhalten so Liquidität. Jefferies schätzt das Volumen für 2026 auf mehr als 300 Mrd. Dollar. (zum Artikel) +++
+++ Ein börsennotierter Private-Credit-Fonds von Blackrock schürt neue Sorgen am Markt: Blackrock TCP meldet für das vierte Quartal 2025 einen Einbruch des Net Asset Value um 19 Prozent, worauf die Aktie zeitweise über 15% verlor. Auslöser sind Probleme bei sechs Schuldnern. (zum Artikel) +++
+++Das TechQuartier (TQ) feiert 2026 das zehnjährige Bestehen. Alice Rettig übernahm vor anderthalb Jahren das Ruder als Managing Director. Im Interview spricht sie über den geänderten Fokus des Innovation-Hub, neue Projekte wie das Tech & Data Lab und die Perspektiven für Technologien wie KI und Quantum Computing. (zum Interview) +++
+++ Franklin Templeton integriert seine europäische Private-Credit-Einheit Alcentra in die US-Tochter Benefit Street Partners (BSP) und beendet damit eine schwierige Phase für den einst führenden Direct-Lending-Anbieter. Alcentra fährt sein Direct-Lending-Geschäft zurück und konzentriert sich auf die Verwaltung bestehender Assets, nachdem Führungsprobleme, Personalabgänge und Fehlentscheidungen das Fundraising belastet hatten. Die europäische Direct-Lending-Abdeckung übernimmt Apera, während BSP den US-Markt bedient. (Bloomberg)+++
+++Der Finanzinvestor Permira hat den Verkaufsprozess für den deutschen Pharmakonzern Neuraxpharm gestartet und strebt Berichten zufolge einen Verkaufspreis von rund 3 bis 4 Mrd. Euro an. Der Deal gilt als weiterer Gradmesser für die Dynamik im europäischen M&A- und Leveraged-Finance-Markt, in dem Banken und Private-Credit-Häuser zunehmend aggressive Bietergefechte liefern. (Bloomberg)+++
+++Amazon denkt laut einem Bericht des „Wall Street Journal" über einen Einstieg bei OpenAI nach. Der E-Commerce-Riese könnte dabei mindestens 50 Mrd. Dollar in den ChatGPT-Entwickler investieren, heißt es. In den vergangenen Jahren hat das von Jeff Bezos gegründete Unternehmen zusammengerechnet bereits 8 Mrd. Dollar in OpenAIs Konkurrent Anthropic investiert. Auch der japanische Tech-Investor Softbank soll ein weiteres OpenAI-Investment in Höhe von 30 Mrd. Dollar in Erwägung ziehen. Er hatte vor einem Jahr bereits 40 Mrd. Dollar in das KI-Unternehmen gesteckt und damit die größte private Finanzierungsrunde aller Zeiten gestemmt. (Bloomberg)+++
DIE KÖPFE DER WOCHE
Stefan Moosmann & Alexander Doll (CVC DIF)
CVC ordnet sein Infrastrukturgeschäft in Deutschland neu: Stefan Moosmann übernimmt die Verantwortung für den deutschsprachigen Raum. Das Infrastrukturgeschäft führt CVC über DIF Capital Partners, einen spezialisierten Investor, den CVC vor rund drei Jahren übernommen und seit Abschluss der Transaktion im Juli 2024 schrittweise enger in die Gruppe integriert.
Moosmann ist seit mehr als 17 Jahren bei CVC tätig und war zuletzt Senior Managing Director im Frankfurter Private-Equity-Team. Er war an mehreren deutschen Infrastruktur-Transaktionen beteiligt, darunter die Beteiligung am Energiedienstleister Ista sowie Investments in Evonik und den Mobilitätsdienstleister DKV.
Zusätzlich verstärkt Alexander Doll den Infrastrukturarm als Aufsichtsrat von CVC DIF. Der frühere Deutschlandchef von Barclays und Ex-Finanzvorstand der Deutschen Bahn soll seine Kontakte einbringen und bei der Wertschaffung der Portfoliounternehmen unterstützen. Doll arbeitet bereits seit längerem mit CVC zusammen, unter anderem im Kontext der geplanten, letztlich gescheiterten Übernahme des Logistikers Schenker.
Aktuell ist DIF mit einem Fonds über 6,8 Mrd. Euro nahezu ausinvestiert; parallel läuft nach Informationen der Börsen-Zeitung das Fundraising für einen europäischen Folgefonds mit einem Zielvolumen von 8 bis 9 Mrd. Euro. (zum vollständigen Artikel)
DER BEYOND BILLIONS PODCAST
Mit Julian Riedlbauer von Drakestar
Der Venture-Capital-Markt lebt wieder – zumindest für die richtigen Unternehmen. Julian Riedlbauer beschreibt im Podcast eine klare Belebung seit dem vergangenen Jahr: Große Finanzierungsrunden und Secondaries sind zurück, das Interesse der Investoren an starken Tech-Firmen ist hoch. Gleichzeitig wird der Markt selektiver.
Nicht die Anzahl der Deals zählt, sondern deren Qualität – und Größe. Gerade die großen Finanzierungsrunden seien entscheidend, um international relevante Tech-Player aus Deutschland heraus aufzubauen und die Finanzierungslücke zu den USA zu verkleinern. Diese sei im vergangenen Jahr noch größer geworden.
Besonders gefragt sind laut Riedlbauer unternehmenskritische Software, künstliche Intelligenz und Defense Tech. KI sei inzwischen allgegenwärtig und kein bloßes Schlagwort mehr – entscheidend sei, ob sie messbaren Mehrwert für Kunden schafft. Investoren schauen allerdings genauer hin: Wachstum, Kapitaleffizienz, Profitabilität und belastbare Kennzahlen zählen mehr als Umsatzversprechungen. Gleichzeitig warnt Riedlbauer vor überzogenen Erwartungen: Der Markt belohnt Exzellenz, straft aber schwache Zahlen, unrealistische Bewertungen oder verlorenes Momentum konsequent ab.
Mit Blick nach vorn zeigt sich Riedlbauer optimistisch: IPOs könnten zurückkehren, KI-Firmen bleiben im Fokus – allerdings unter härteren KPI-Maßstäben. Er nennt prägende Deals, aufstrebende Tech-Hubs, mögliche Börsenkandidaten und erklärt, warum sich die Grenzen zwischen Venture Capital und wachstumsorientiertem Private Equity zunehmend verwischen.
Wer verstehen will, wie Investoren aktuell denken, wo echte Chancen liegen – und warum bei dem KI-Hype erst in fünf Jahren abgerechnet wird, sollte die aktuelle Episode von Beyond Billions nicht verpassen. Jetzt überall dort verfügbar, wo es Podcasts gibt. Folgen Sie dem Podcast jetzt bei Spotify und abonnieren Sie die „Glocke“, um keine Folge zu verpassen.