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Private Markets Newsletter

Guten Tag

 

Die Private-Credit-Krise in den USA köchelt weiter. In dieser Woche mussten selbst Schwergewichte wie Ares und Apollo die Rücknahmen in ihren Fonds begrenzen. Ein Vehikel von KKR verlor sein Investment-Grade-Rating, während EZB und BaFin ankündigen, die Risiken im 1,8-Billionen-Dollar-Markt genauer unter die Lupe zu nehmen. Keine guten Nachrichten. Doch rechtfertigt all das bereits den Abgesang auf eine gesamte Anlageklasse – oder gar die Sorge vor einer neuen Finanzkrise?

 

Wohl kaum. Ganz ausschließen lässt sich ein solches Szenario zwar nie. Doch in der aufgeheizten Debatte wird derzeit vieles vermischt: institutionelle Investoren mit Privatanlegern, börsennotierte Business Development Companies (BDCs) mit geschlossenen Kreditfonds – und nicht zuletzt der US-amerikanische Markt mit den deutlich anders strukturierten europäischen und deutschen Pendants.

 

Das bedeutet allerdings nicht, dass die Risiken klein zu reden wären. Im Gegenteil: BDCs in den USA weisen teils erhebliche Klumpenrisiken auf, etwa im Software-Sektor. Gleichwohl bleibt unklar, wie stark der Einfluss künstlicher Intelligenz die Geschäftsmodelle dieser Unternehmen künftig unter Druck setzen könnte. Hinzu kommen prominente Insolvenzen wie First Brands oder Tricolore, die das Vertrauen der Investoren erschüttert haben.

 

Die eigentlichen Sollbruchstellen liegen jedoch tiefer im System. Besonders kritisch sind sogenannte Payment-in-Kind-Finanzierungen, bei denen Zinszahlungen gestundet und am Laufzeitende kapitalisiert werden, weil Schuldner ihren Verpflichtungen nicht wie geplant nachkommen können. Hier entscheidet sich, ob latente Risiken zu realen Kreditausfällen werden. Ebenso im Blick behalten werden muss der Leverage, den BDCs über Bankfinanzierungen aufgebaut haben. Die Probleme sind real – aber sie sind differenziert zu betrachten. Genau das geht in der aktuellen Diskussion ein Stück weit verloren.

 

Unsere Themen heute: 

  • Krise in den USA erfasst noch mehr Private-Credit-Granden (Story der Woche)
  • Solo-GP Nathan Benaich mischt die VC-Szene auf (Kopf der Woche)
  • Scalable-Volkswirt Christian W. Röhl ordnet die Private-Krise ein (Podcast)
  • Neues von Allianz Global Investors, CVC und OpenAI (Weitere News)

Wir wünschen viel Gewinn beim Lesen!

Ihr Philipp Habdank

 

DIE STORY DER WOCHE

Private-Credit-Krise erfasst noch mehr Fonds

Investoren haben in diesem Quartal bislang versucht, rund 13 Mrd. US-Dollar aus mehr als einem Dutzend Fonds abzuziehen, wie Schätzungen von Bloomberg und Daten von Robert A. Stanger & Co. zeigen. Da Rücknahmen in der Regel auf 5% des Nettovermögens pro Quartal begrenzt sind, konnten Anleger bislang nur etwa zwei Drittel der von ihnen angeforderten Mittel tatsächlich abrufen. 4,6 Mrd. Dollar an Anlegergeld könnte somit feststecken. 

 

Die Flucht der Privatanleger aus Private-Credit-Fonds bringt einige Anbieter in erhebliche Liquiditätsschwierigkeiten. Jetzt geraten auch die Branchen-Riesen Ares, KKR und Apollo unter Druck. Ares hat am Dienstag die Rücknahmen in Höhe von 12% seines 10,7 Mrd. Dollar schweren Private-Credit-Fonds auf 5% bzw. 525 Mill. Dollar gedeckelt. Auch Apollo bedient Kunden, die 11% der Anteile am 25 Mrd. Dollar schweren Apollo Debt Solutions zurückgeben wollen, seit Montag nur bis zur Grenze von 5% des Fondsvolumens.

 

Gleichzeitig verlor ein von KKR und Future Standard gemeinsam verwalteter Private-Credit-Fonds eines seiner Investmentgrade-Ratings – ein seltenes Ereignis im 1,8 Bill. Dollar schweren Private-Credit-Markt. Das führt zu höheren Kreditkosten für das 14 Mrd. Dollar schwere Anlagevehikel.

 

Die Kurse von alternativen Vermögensverwaltern gaben daraufhin erneut nach. Die Aktien von Ares und Apollo fielen am Dienstag vorbörslich um fast 4%. Auch TPG Inc., Blackstone, KKR und Blue Owl Capital verzeichneten Kursverluste. Der breitere Markt gab ebenfalls nach; der S&P 500 sank um 0,5%.

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Vermögensverwalter sehen sich mit einer Welle von Rücknahmeanträgen konfrontiert. Diese entspringen einer wachsenden Sorge über die Kreditvergabepraktiken des 1,8 Bill. Dollar schweren Private-Credit-Marktes und das Engagement in Unternehmen, welche anfällig für disruptive Innovationen durch Künstliche Intelligenz sind. Auch Blackstone, Blackrock und Blue Owl mussten Rücknahmen begrenzen, um ihre Liquiditätspolster nicht zu überfordern.

 

Die Sorgen um die Flucht der Privatanleger aus Private Credit treibt jetzt die Regulatoren um: Laut Finanzkreisen will die EZB angesichts zunehmender Bedenken über die Kreditqualität im Private-Credit-Sektor eine neue Prüfungsrunde bei den von ihr beaufsichtigten Banken einleiten. Auch die Bafin sprach in der vergangenen Woche davon, die „Entwicklungen im Private Credit-Bereich mit einer gewissen Sorge zu verfolgen“.

 

Die um jährlich 60% rasant gewachsenen Evergreen-Private-Credit-Fonds für Privatanleger mit einem Nettoinventarwert (NAV) von 220 Mrd. Dollar halten laut Goldman Sachs Direktkredite im Wert von 320 Mrd. Dollar – etwa 20% des gesamten Direktkreditvolumens von rund 1,5 Bill. Dollar. „Letztendlich schätzen wir, dass die Branche in den nächsten zwei Jahren insgesamt Nettoabflüsse in Höhe von 45 Mrd. bis 70 Mrd. Dollar verzeichnen könnte“, rechnet Goldman-Sachs-Analyst Alexander Blostein vor.

 

(zum Artikel) 

 

DIE GRAFIK DER WOCHE

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DIE NEWS DER WOCHE

 +++ Der Versicherer Allianz investiert zum ersten Mal direkt in das deutsche Stromnetz und investiert im ersten Schritt 400 Mill. Euro in den Netzbetreiber Amprion. Dieser gehört zu einem Viertel einem Joint Venture von RWE und Apollo und zu drei Vierteln einem Konsortium mit mehreren Versorgungswerken und Versicherern. Einer davon ist Talanx, der nun Anteile an Allianz abgibt. (zum Artikel) +++

 

 +++ Monatelang hat der britische Finanzinvestor CVC über den Verkauf des Pharmaverpackungs-Maschinenbauers Syntegon aus Stuttgart an den dreimal so großen Konkurrenten Gea aus Düsseldorf verhandelt. Jetzt ist der Deal endgültig geplatzt. Stattdessen erwirbt der US-Private-Equity-Riese Apollo einen Minderheitsanteil von 37% an der ehemaligen Verpackungstechnik-Sparte von Bosch, wie die Unternehmen am Montag mitteilten. Die übrigen 63% bleiben bei CVC, die Syntegon 2019 vom Autozulieferer Bosch für rund 1 Mrd. Euro erworben hatte. (zum Artikel) +++

 +++ Apollo Global Management und Bain Capital gehören laut Bloomberg zu den Bietern für Contitech, der Kautschuk- und Kunststoffsparte von Continental. Die Nachrichtenagentur beruft sich dabei auf informierte Kreise. Advent und CVC Capital Partners hätten sich zusammengeschlossen, um ebenfalls ein Angebot für Contitech abzugeben, auch Platinum Equity, KPS Capital Partners und Clearlake Capital seien in die nächste Angebotsrunde vorgerückt, wie die Informanten angaben. Vertreter der Private-Equity-Firmen waren zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. (zum Artikel) +++

 +++ OpenAI wirbt laut Reuters im Wettbewerb mit Anthropic aggressiv um Private-Equity-Investoren für gemeinsame Venture-Strukturen zur schnelleren Verbreitung von Enterprise-KI: Investoren wird unter anderem bevorzugtes Eigenkapital mit einer garantierten Mindestverzinsung von rund 17,5% sowie ein früher Zugang zu neuen Modellen in Aussicht gestellt. Es laufen Gespräche mit großen Häusern wie TPG, Advent International oder Blackstone. (Reuters) +++

 +++ Die Wagniskapitalfirmen Visionaries Club aus Berlin und Creandum aus Stockholm beteiligen sich als Hauptinvestoren bei einer 40 Mill. Dollar schweren Finanzierungsrunde für das Schweizer Raumfahrt-Startup Pave Space. Das 2024 von Julie Böhning und Jérémy Marciacq gegründete Unternehmen entwickelt sogenannte Raumschlepper, die Satelliten im All von einer Umlaufbahn in eine andere transportieren sollen. Ohne solche Schlepper dauere so etwas für gewöhnlich sechs bis zwölf Monate – mit dem Fahrzeug verringere sich die Dauer jedoch auf weniger als 24 Stunden, erklärt die Firma. Auch das schwäbische Raketen-Startup Hyimpulse entwickelt solche „Weltraum-Taxis". +++

 

DER KOPF DER WOCHE

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Solo-GP Nathan Benaich

Nathan Benaich hat für seinen dritten Fonds 232 Mill. Dollar eingesammelt. Der Cambridge-Absolvent ist eine ungewöhnliche Figur in der britischen Risikokapitalbranche. Der Gründer und General Partner (GP) von Air Street Capital setzt auf „AI-First“-Unternehmen, also Unternehmen, die künstliche Intelligenz an die erste Stelle setzen. 

Das hat seine Firma zum größten „Solo GP“-Risikokapitalgeber mit einem verwalteten Vermögen von rund 400 Mill. Dollar gemacht.

 

Wenn es um das Thema KI geht, ist es für kleinere Venture-Capital-Firmen kaum möglich, bei den milliardenschweren Finanzierungsrunden von US-Schwergewichten wie Thinking Machines einen Fuß in die Tür zu bekommen. Sie werden von großen US-Risikokapitalgesellschaften wie Andreessen Horowitz dominiert. Doch Größe geht mitunter auf Kosten von Schnelligkeit und Fokussierung.

 

Benaichs dritter Fonds konzentriert sich auf „AI-first“-Firmen in frühen Entwicklungsstadien in Europa und Nordamerika. In „Early Stage“-Finanzierungsrunden werde man mit 500.000 bis 15 Mill. Dollar mit dabei sein, kündigte Air Street Capital an. Zudem werde man ausgewählte Wachstumsinvestments von bis zu 25 Mill. Dollar tätigen.

 

(zum Artikel)

 

DER BEYOND BILLIONS PODCAST

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Welche Sprengkraft hat die Private-Credit-Krise in den USA?

Christian W. Röhl ist Chefvolkswirt beim deutschen Robo-Advisor Scalable und setzt sich schon viele Jahre intensiv mit den sogenannten Business Development Companies (BDC) auseinander, die in den USA gerade im Zentrum der Private-Credit-Krise stehen.  

Die Themen im Podcast: 

  • Bietet die Private-Credit-Krise in den USA Stoff für eine neue Finanzkrise?
  • Welche Investoren rennen gerade panisch zum Ausgang?
  • Was in der aktuellen Situation ist Panikmache und was sind ernstzunehmende Risiken?
  • Welche Folgen hat die Krise in den USA für den deutschen Markt?

Über all das und noch mehr spricht Christian W. Röhl in der aktuellen Episode von Beyond Billions – jetzt überall dort verfügbar, wo es Podcasts gibt. Folgen Sie dem Podcast jetzt bei Spotify und abonnieren Sie die „Glocke“, um keine Folge mehr zu verpassen. 

 

Zum Podcast >>

 

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