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Private Markets Newsletter

Guten Tag

 

Guten Tag XY,

 

eigentlich müssten Kapitalmarktbeobachter allesamt Schlappohren haben. Denn seit Beginn des KI-Investorenhypes vor einigen Jahren kommen zumindest unsere Ohren aus dem Schlackern so gar nicht mehr raus. Allein im ersten Quartal 2026 sind laut dem Datenanbieter CB Insights weltweit 226 Mrd. Dollar Wagniskapital in KI-Startups geflossen. Mehr als die Hälfte entfiel auf den ChatGPT-Entwickler OpenAI, der Ende März in einer 122 Mrd. Dollar schweren Finanzierungsrunde eine Bewertung von 852 Mrd. Dollar erreichte. Ein neuer Rekord, versteht sich, der die Gesamt-VC-Investitionen im ersten Quartal auf 286 Mrd. Dollar katapultierte.

 

Der Boom setzte sich auch in Deutschland fort, wenngleich in kleineren Dimensionen. In Mannheim machte das ESG-Software-Startup Osapiens mit dem Aufstieg in die Einhorn-Riege auf sich aufmerksam. Einen Tag später teilte der Berliner KI-Agenten-Entwickler Parloa mit, seine Bewertung bei einer 350 Mill. Dollar schweren Runde auf 3 Mrd. Dollar verdreifacht zu haben. 

 

Die deutsche Gründerszene kann aber nicht nur Software, sondern auch Robotik und Wirkstoffentwicklung. Das haben zuletzt unter anderem Neura Robotics aus Metzingen und Tubulis aus München unter Beweis gestellt. Letztere haben gerade einen Exit via Übernahme hingelegt, den es in dieser Größenordnung in Europa schon lange nicht mehr gegeben hat.

 

Unsere Themen heute: 

  • Der OpenAI-Wahnsinn (Grafik der Woche)
  • Roboter und Krebstherapien: Deutsche Startups starten erfolgreich ins Jahr (Story der Woche)
  • Deutschlands einflussreichsten Biotech-Investoren (Köpfe der Woche)
  • Neues von Blue Owl, Blackstone und Ares (Weitere News)

Wir wünschen viel Gewinn beim Lesen!

Ihre Karolin Rothbart

 

DIE GRAFIK DER WOCHE

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DIE STORY DER WOCHE

Bei deutschen Gründern läuft's

Wagniskapitalinvestoren haben zum Jahresauftakt wieder deutlich mehr Geld in deutsche Startups investiert. Laut CB Insights stieg das Gesamtvolumen hierzulande im ersten Quartal auf 3 Mrd. Dollar – ein Plus von 50% im Vergleich zum Vorquartal. Das letzte Mal, dass innerhalb von einem Quartal mehr als 3 Mrd. Dollar zusammenkamen, ist mittlerweile einige Jahre her. 

 

Interessant dabei ist, dass etwa ein Drittel der jüngsten Summe auf einen Deal entfällt, der bislang offiziell gar nicht bestätigt wurde. So berichtete Bloomberg Anfang März unter Berufung auf Insider, dass das schwäbische Robo-Startup Neura Robotics in Gesprächen über eine Finanzierungsrunde in Höhe von 1,2 Mrd. Dollar stehe. Zu den beteiligten Investoren soll die Kryptobörse Tether gehören, die vergangenes Jahr bereits in den italienischen Neura-Rivalen Generative Bionics investiert hatte. Später hieß es, dass auch Amazon, Qualcomm, Bosch und Scheich Hamad bin Jassim Al Thani – ein Mitglied der katarischen Herrscherfamilie – an der Neura-Runde beteiligt gewesen sein sollen. 

 

CB Insights und auch Pitchbook haben die kolportierte Runde jedenfalls schon in ihren Datenbanken erfasst. Es wäre laut bisherigen Erkenntnissen die EU-weit größte VC-Finanzierung aus dem ersten Quartal. Neura Robotics wurde 2019 gegründet und ist vor allem für seinen humanoiden Roboter “4NE1” bekannt. Das Startup hat aber auch Service- und Industrie-Roboter im Angebot. 

 

Ein weiteres deutsches Startup, das 2019 gegründet wurde, hat daneben gerade einen Deal eingetütet, der in seiner Dimension ebenfalls beachtlich ist – und den es ganz offiziell verkünden konnte. Das Münchner Biotech-Startup Tubulis wird an den US-Pharmakonzern Gilead verkauft, und zwar für bis zu 5 Mrd. Dollar. Tubulis entwickelt Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADCs), also biologische Wirkstoffe, die als möglicher Gamechanger in der Behandlung von Krebserkrankungen gelten. Denn sie attackieren Krebszellen gezielt, ohne das umliegende gesunde Gewebe zu beschädigen. 

 

Mit diesem Exit setzen die Münchner Maßstäbe in Europa. Denn vergangenes Jahr belief sich die wertmäßig größte Übernahme eines zuvor wagniskapitalfinanzierten Startups laut Pitchbook auf gerade mal bis zu 1,6 Mrd. Dollar. Sie entstand gleichwohl auch im Biotech-Sektor: Der französische Pharmakonzern Sanofi hatte sich im Juli den Londoner Impfstoffentwickler Vicebio geschnappt. Im Jahr zuvor schaffte das auf Augenerkrankungen spezialisierte Londoner Startup Eyebio den größten Exit via Übernahme. Es wurde an den US-Pharmakonzern Merck & Co für bis zu 3 Mrd. Dollar verkauft. 2022 übernahm zudem der dänische Medizintechnikkonzern Coloplast das auf Wundheilung spezialisierte isländische Startup Kerecis für bis zu 1,3 Mrd. Dollar.

 

Die Investoren von Tubulis dürfte der Deal freuen. Der Hamburger Wirkstoffforscher Evotec, der erstmals im Mai 2022 bei den Münchnern eingestiegen war, rechnet für seine Beteiligung mit Verkaufserlösen von bis zu 158 Mill. Dollar. Zu den weiteren bisherigen Geldgebern zählen unter anderem EQT aus Schweden, Andera Partners aus Frankreich, der US-Vermögensverwalter Wellington und der US-Healthcare-Investor Venrock. 

 

(zum Artikel) 

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DIE NEWS DER WOCHE

 +++ Die Ratingagentur Moody’s hat den Ausblick für Private-Credit-Investmentvehikel auf negativ gesenkt. Grund sind zunehmende Mittelabflüsse bei nicht-börsennotierten Business Development Companies (BDC). Im ersten Quartal kam es erstmals zu Nettoabflüssen, nachdem zuvor noch bis ins dritte Quartal 2025 kräftige Zuflüsse verzeichnet wurden. Betroffen von der Herabstufung ist unter anderem der Private-Credit-Anbieter Blue Owl. Mit Carlyle beschränkte diese Woche der nächste Anbieter die Kapitalrücknahmen auf 5%. +++

 +++ Während Privatanleger derzeit panisch aus BDCs flüchten, läuft es für Private-Credit-Anbieter im institutionellen Fundraising an anderer Stelle besser. Sowohl Blackstone als auch Ares vermeldeten ein finales Closing bei rund 10 Mrd. Dollar für ihre neuen opportunistischen Private-Credit-Fonds, die Kredite an Unternemen in Sondersituationen vergeben.  +++

 +++ Obskure Ratingagenturen im Alternatives-Markt sind Verfechtern der Finanzstabilität ein Dorn im Auge. Die Furcht: Emittenten könnten auf eine regelrechte Shoppingtour nach besseren Bonitätsnoten gehen (zum Artikel). Dazu warnen Analysten vor Rating-Arbitrage (zum Artikel). +++

 +++ Der Immobilien-Investmentmarkt startet 2026 mit knapp 9 Mrd. Euro und leichtem Plus. Geopolitische Risiken bremsen, Investoren setzen auf sichere Cashflows und defensive Objekte. (zum Artikel) +++

 

DIE KÖPFE DER WOCHE

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Andreas & Thomas Strüngmann

Doctolib holt zwei der einflussreichsten deutschen Biotech-Investoren an Bord. Laut Medienberichten steigen Andreas und Thomas Strüngmann basierend auf einer Bewertung von 3,6 Mrd. Euro bei dem deutschen Startup ein, das vor allem für sein Arzttermin-Buchungstool bekannt ist. Das „Manager Magazin“ hatte zuerst über das neueste Investment der 76-jährigen Zwillinge berichtet. 

Mit einem geschätzten Vermögen von jeweils rund 11 Mrd. Euro gehören die beiden Brüder zu den wohlhabendsten Deutschen. Reich wurden sie durch den Verkauf des von ihnen gegründeten Generikaherstellers Hexal an Novartis. Der Schweizer Pharmakonzern legte 2005 für Hexal 5,65 Mrd. Euro auf den Tisch – und damit den Grundstein für eines der größten und aktivsten Single Family Offices in Deutschland: Athos. 


Nach außen tritt das Family Office ähnlich scheu auf, wie die beiden Rehe, die das Athos-Logo auf der spärlichen Homepage zieren. „Wir investieren unternehmerisch und werteorientiert mit Fokus auf Pharma und Life Science“, steht darunter. Dazu ein kurzes Impressum. That’s it. Doch im Hintergrund läuft eine wahre Deal-Maschine, mit für Family Offices bisweilen erstaunlich großen Transaktionen. 


Eines der bekanntesten Strüngmann-Investments ist sicherlich der deutsche Covid-Impfstoffhersteller Biontech, dem die Brüder 2008 Seed-Kapital über 150 Mill. Euro zur Verfügung gestellt hatten. Durch die Coronakrise vervielfachte sich der Wert der Biontech-Beteiligung. Bis heute sind die Strüngmann-Brüder über die AT Impf GmbH größter Einzelaktionär. 


2022 fädelten die Brüder einen komplexen Deal mit dem deutschen Biotech-Unternehmen Formycon ein, dessen Transaktionsvolumen auf rund 650 Mill. Euro taxiert wurde und an dessen Ende Athos heute mit rund 25% der Hauptanteilseigner ist. Auch an dem Wuppertaler Biotech-Unternehmen Aicuris war das Family Offices sehr früh und viele Jahre beteiligt. Dieses Jahr kündigte der japanische Konzern Asahi Kasei an, die den Wuppertaler Viren-Spezialisten über seine US-Tochter für 920 Mill. Dollar zu übernehmen. Es ist einer der größten Übernahmen im deutschen Biotech-Sektor. 


Doch auch außerhalb ihres Stammgeschäfts ist das Family Office aktiv. 2024 übernahm Athos in München das Einkaufszentrum „Fünf Höfe“ von Union Investment. Kolportierter Kaufpreis: bis zu 800 Mill. Euro. Auch eine Bank war schon mal Teil des Strüngmann-Imperiums. 2004 stiegen die Brüder bei Südwestbank ein und verkauften die Bank Ende 2017 an die österreichische Bawag. 

 

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