Im Browser anzeigen
EVN_Borsen-Zeitung Private Markets Weeks_Digital_Banner (1)
Beyond Billions Logo
Private Markets Newsletter

Guten Tag

 

die Bundesregierung hat ein neues Investitionsinstrument aufgelegt, das privates Kapital in Milliardenhöhe für Energieinfrastruktur, Rohstoffe, Verteidigung und Startups mobilisieren soll. Der sogenannte Deutschlandfonds bündelt 30 Mrd. Euro an öffentlichen Geldern und Garantien. Davon stammen laut Insidern nur etwa ein Drittel aus neuem Kapital, der Rest aus bestehenden staatlichen Förderprogrammen. Die Struktur soll rund 100 Mrd. Euro an privaten Investitionen im Land anstoßen.

 

Die Initiative ist Teil der Bemühungen von Bundeskanzler Friedrich Merz, die schwächelnde deutsche Wirtschaft wiederzubeleben und gleichzeitig ein strategisches Instrument für kritische Sektoren wie Energie und Verteidigung zu schaffen sowie Innovationen zu fördern.

Der Staat unterstützt Investitionen in Deutschland durch Eigenkapitalzuschüsse, Garantien und Kredite für mittelständische Unternehmen – insbesondere im Energiesektor – sowie für Startups und Scale-ups. Die staatliche Beteiligung ist laut einem vom Wirtschaftsministerium veröffentlichten Dokument ausschließlich als „befristete Anschubfinanzierung“ vorgesehen.

 

Der Fonds ist eine gemeinsame Initiative von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche und Finanzminister Lars Klingbeil. Die staatliche KfW wird die Investitionen des Fonds umsetzen und ihn mit ihren bestehenden Förderprogrammen ergänzen.

 

Als Interessenten gelten unter anderem KKR und Apollo. KKR hält in Deutschland bereits Beteiligungen am Kleinanzeigenkonzern AS Classifieds sowie dem Funkturmbetreiber Vantage Towers und der Satellitenfirma OHB. Apollo ist am Übertragungsnetzbetreiber Amprion sowie der Datenzentren-Kühlungsfirma Kelvion und einem Wohnungsportfolio von Vonovia beteiligt.

 

Unsere weiteren Themen heute: 

  • Glasfaserkrise lässt Alarmglocken bei den Banken läuten (Story der Woche)
  • KNDS will in Frankfurt und Paris an die Börse
  • Cinven-Topmanager Supraj Rajagopalan tritt nach Medikamentenskandal zurück – Bruno Schick und Jorge Quemada führen das Unternehmen künftig zu zweit (Köpfe der Woche)

 

Was sonst noch in den Private Marktes geschah, lesen Sie in den News der Woche.

 

Wir wünschen viel Gewinn beim Lesen!

Ihr Christoph Ruhkamp

 

DIE STORY DER WOCHE

Die deutsche Glasfaser-Krise

 

Die Krise im deutschen Glasfasermarkt spitzt sich weiter zu. Nicht nur die zu EQT und Omers gehörende Deutsche Glasfaser ringt mit ihren Gläubigern um ein neues Finanzierungskonzept, auch bei zahlreichen kleineren Anbietern bleibt die geschäftliche Entwicklung hinter den Erwartungen zurück, während gleichzeitig die Kosten aus dem Ruder laufen. Der Branchenverband VATM räumt ein, dass die anstehenden Refinanzierungsverhandlungen für viele Unternehmen „herausfordernd werden“. 

 

Angaben der auf die Digitalbranche spezialisierten M&A-Boutique Kawikani zufolge beläuft sich das von den Glasfaserunternehmen in Deutschland aufgenommene Fremdkapital auf 26,7 Mrd. Euro. Davon entfallen allein 1,9 Mrd. Euro auf die KfW-Ipex-Bank und 725 Mill. Euro auf die Europäische Investitionsbank. Außerdem haben praktisch alle Landesbanken erhebliche Beträge im Feuer, darunter Nord/LB und LBBW je rund 700 Mill. Euro. Die Helaba hat 424 Mill. Euro entsprechender Kredite in ihren Büchern. Damit lauern vor allem für Institute der öffentlichen Hand Risiken in dem Segment. Nach Einschätzung von Experten sind von der Gesamtsumme der 26,7 Mrd. Euro gerade mal 2 Mrd. Euro bisher längerfristig refinanziert.

 

Eine Vielzahl von Glasfaserunternehmen ist in den Händen von Private Equity und weist aggressive Finanzierungsstrukturen auf, die nach der Zinswende nicht mehr tragfähig sind. In aller Regel wurde das initiale Eigenkapital um das 4-Fache mit Fremdkapital gehebelt. 

 

Die Deutsche Glasfaser hat bereits verkündet, dass 2 Mrd. Euro von den derzeit 7 Mrd. Euro Schulden „strukturell subordiniert“, also in den Nachrang gestellt werden sollen. Die regulären Zinszahlungen für diese nachrangigen Schulden sollen vorläufig ausgesetzt werden. EQT und Omers wollen dem Vernehmen nach weitere 1,1 Mrd. Euro an Eigenkapital einschießen und erwarten von den beteiligten Banken zusätzliche frische Fremdmittel von 600 Mill. Euro. Eine Vereinbarung mit den Kreditgebern soll bis Ende Januar stehen.

 

Die Deutsche Glasfaser ist nicht das einzige überschuldete Portfoliounternehmen, das der schwedischen Private Equity-Firma EQT derzeit Probleme bereitet. In Frankreich geht der Pflegeheimbetreiber Colisée nun in die Hand der Hauptgläubiger über – im Gegenzug für einen Schuldenerlass. EQT hatte den viertgrößten europäischen Anbieter von Altenpflege im Jahr 2020 übernommen.

 

(zum Artikel) 

 

 

 

DIE NEWS DER WOCHE

 +++ Der deutsch-französische Rüstungskonzern KNDS treibt seine Börsenpläne für das kommende Jahr voran. Geplant sei ein Doppel-Listing in Frankfurt und Paris, teilte das Unternehmen mit. "Die Zeit ist reif und das Unternehmen ist bereit", sagt Verwaltungsratschef Thomas Enders. Der Hersteller des "Leopard 2"-Kampfpanzers folgt damit dem Vorbild des französisch-deutschen Flugzeugbauers Airbus, dessen Aktien allerdings überwiegend in Paris gehandelt werden. KNDS könnte Insidern zufolge bei dem Schritt mit bis zu 20 Mrd. Euro bewertet werden und gilt als einer der größten Hoffnungsträger im europäischen IPO-Markt (zum Artikel) +++

 

 +++ Der ChatGPT-Entwickler OpenAI befindet sich laut einem Bericht des "Wall Street Journals" in Verhandlungen über eine Finanzierungsrunde, bei der eine Bewertung von bis zu 830 Mrd. Dollar im Raum stehen soll. Unternehmenschef Sam Altman, der laut früheren Berichten derzeit auch schon einen künftigen Börsengang vorbereitet, könnte bei der Runde bis zu 100 Mrd. Dollar einsammeln. Das wertvollste nicht-börsennotierte Unternehmen der Welt braucht die Mittel, um seine ehrgeizigen Pläne zur Weiterentwicklung der KI-Systeme in die Realität umzusetzen. Diese erfordern vor allem Rechenzentren und dazu notwendige Stromerzeugungskapazitäten. +++

 

 +++ Der Berliner Neobroker Trade Republic hat kurz vor Jahresschluss eine Secondary-Runde durchgeführt, bei der das Startup mit 12,5 Mrd. Euro bewertet worden ist. Zu den neuen Investoren zählen Fidelity, Wellington, Khosla Ventures, der Staatsfonds GIC aus Singapur sowie die Family-Offices Aglaé und Lingotto. Aglaé gehört zur Arnault-Familie, die den französischen Luxusgüterkonzern LVMH kontrolliert. Lingotto ist ein Vehikel der Agnellis. Trade Republic gilt damit als das wertvollste deutsche Startup. (Zum Artikel)  +++

 +++ Der Münchner Drohnen-Hersteller Quantum Systems verstärkt sich nach einer Finanzierungsrunde mit dem Software-Startup Fernride. Das ebenfalls in München ansässige Unternehmen wollte sich mit seinen Software-Produkten rund um das autonome Fahren ursprünglich auf die Logistikbranche konzentrieren, hat den Fokus zuletzt aber vollständig aufs Rüstungsgeschäft verlegt. Zum Kaufpreis machten die beiden Unternehmen keine Angaben (zum Artikel) +++

 +++ Die US-Technologiebörse Nasdaq rechnet im kommenden Jahr mit einem deutlichen Anstieg an Börsengängen. Vor allem mehrere große Start-ups dürften in den kommenden Monaten an die US-Kapitalmärkte streben. Bei Betrachtung des IPO-Puls-Index, dem Frühindikator, "deuten viele der Schlüsselkennzahlen in die richtige Richtung", sagte Jeff Thomas, der globale Listing-Chef der Nasdaq, der Nachrichtenagentur Reuters. Dazu zählten sinkende Zinsen, hohe Firmenbewertungen sowie eine verbesserte Stimmung bei Anlegern und Verbrauchern. "Wir haben also eine sehr klare Vorstellung von einem schnellen Start ins Jahr und sind sehr optimistisch, was wir in der zweiten Jahreshälfte sehen könnten." +++

 +++ Deutsche Unternehmen haben sich mit Zukäufen im Ausland in diesem Jahr stark zurückgehalten. Für Konzerne und Investoren aus anderen Ländern sind sie dagegen ein immer gefragteres Übernahmeziel. Vor allem Finanzinvestoren griffen zu, wie aus den "League Tables" des Londoner Börsenbetreibers und Finanzdatenanbieters LSEG hervorgeht. Bis Mitte Dezember wurden 1641 deutsche Unternehmen für 107,1 Mrd. Dollar verkauft, das Volumen ist damit 30% höher als 2024. Auf das Konto der Finanzinvestoren gingen vier der fünf größten Transaktionen, darunter die Rekord-Übernahme des Bad Vilbeler Pharmakonzerns Stada. +++

 

Die KÖPFE DER WOCHE

BYB_KDW_Bruno_Schick_Jorge_Quemada

Bruno Schick/Jorge Quemada

Die Private-Equity-Firma Cinven ordnet ihre Führung nach einem Medikamenten-Skandal neu. Aus der bisher dreiköpfigen Führungsspitze wird ein Führungsduo. Der bisherige Co-Managing-Partner Supraj Rajagopalan tritt zurück – ebenso wie COO Alex Leslie. Beide verlassen die Firma, wie Cinven am Mittwoch mitteilte. 

 

Deutschlandchef Bruno Schick kommt damit in eine zusätzlich hervorgehobene Rolle: Er führt Cinven künftig nur noch zu zweit mit Co-Managing-Partner Jorge Quemada

 

Cinven reagiert damit frühzeitig auf eine Attacke der britischen Competition and Markets Authority (CMA). Die Aufsichtsbehörde erwägt, Anfang des Jahres beim High Court einen Antrag auf ein Berufsverbot für den bisherigen Cinven-Co-Chef Rajagopalan zu stellen, der dann keine Unternehmen mehr führen dürfte. Die Private-Equity-Gruppe war wegen Wucherpreisen des ehemaligen Portfoliounternehmens Advanz Pharma für an den staatlichen Gesundheitsdienst NHS gelieferte Medikamente mit einer Geldstrafe von mehr als 50 Mill. Pfund belegt worden. Offenbar hatte Cinvens Portfoliofirma über Jahre ein Quasi-Monopol für Arzneien gegen Schilddrüsenunterfunktion genutzt und die Preise teilweise verzehnfacht. Zuerst hatte die „Financial Times“ berichtet. (zum Artikel)

 

 

SOCIAL NETWORK

LinkedIn
X

Börsen-Zeitung

 

Börsen-Zeitung – eine Marke der Herausgebergemeinschaft WERTPAPIER-MITTEILUNGEN Keppler, Lehmann GmbH & Co. KG
 
Kontakt
Leserservice der Börsen-Zeitung | Sandweg 94 | 60316 Frankfurt am Main | Hessen
Tel.: +49/(0) 69 2732-191 | Fax: +49/(0) 69 2732-500
E-Mail: leserservice@boersen-zeitung.de | Internet: www.boersen-zeitung.de

 

Ihre E-Mail Einstellungen können Sie hier jederzeit ändern.

 

Impressum | Datenschutz | Nutzungsbedingungen | AGB