der KI-Boom setzt sich ungebrochen fort, doch beim Ausbau der nötigen Rechenzentren hinkt Europa den USA stark hinterher. Zugleich dominieren US-Anbieter wie Amazon, Microsoft und Google den hiesigen Cloud-Markt mit seinen verführerischen Wachstumsraten.
Bei der Schwarz-Gruppe will man das nicht länger hinnehmen. Die Lidl- und Kaufland-Mutter treibt ihre Pläne für eine europäische Alternative beharrlich voran und hat nun ein weiteres Milliardenprojekt im deutschen Osten angekündigt. In Mecklenburg-Vorpommern soll ein riesiges Rechenzentrum entstehen, das bis 2033 über eine Kapazität von 240 Megawatt verfügen soll. Perspektivisch ist sogar eine Anschlussleistung von 1 Gigawatt angedacht. Die Handelskette hält den Standort unter anderem wegen seines Klimas und wegen der hohen Verfügbarkeit an erneuerbarem Strom für geeignet.
Unsere Themen heute:
Schwarz-Gruppe plant nächstes Rechenzentrum im Osten (Story der Woche)
Höhere Börsenbewertungen machen Delistings teurer (Grafik der Woche)
Nomura-Dealmaker Alex Bleck geht zu J.P. Morgan(Kopf der Woche)
Neues vom Eltif-Markt, Thermondo und Oura (Weitere News)
Wir wünschen viel Gewinn beim Lesen!
Ihre Karolin Rothbart
DIE STORY DER WOCHE
Schwarz-Gruppe kündigt nächstes Milliardenprojekt im Osten an
Nach Brandenburg jetzt auch "Meck-Pomm": Die für ihre Handelsketten Lidl und Kaufland bekannte Schwarz-Gruppe will sich als europäische Alternative zu US-amerikanischen Cloud-Riesen etablieren und hat dafür den Bau eines weiteren Rechenzentrums im deutschen Osten angekündigt. In Dummerstorf bei Rockstock soll ein Datacenter mit einer Kapazität von 240 Megawatt bis 2033 entstehen – die Schwarz-Gruppe will dafür 5,6 Mrd. Euro in die Hand nehmen.
Der Standort zeichne sich durch seinehohe Verfügbarkeit von nachhaltig produziertem Strom, unter anderem aus On- und Offshore-Windkraft, aus, hieß es. Das Klima soll zudem eine effiziente Kühlung über die Umgebungsluft begünstigen. Bis 2045 könnte das Rechenzentrum auf eine Anschlussleistung von 1 Gigawatt ausgebaut werden.
Mit einem Umsatz von zuletzt 186 Mrd. Euro bezeichnet sich der in Neckarsulm ansässige Konzern selbst als größte Handelskette Europas. Erklärtes Ziel ist ist, über die zwar kleine aber dafür wachstumsstarke IT-Tochter Schwarz Digits bald auch zum größten europäischen Hyperscaler aufzusteigen. Derzeit betreibt sie über ihre Cloud-Plattform Stackit sieben Rechenzentren – weitere befinden sich im Bau. Dazu zählt auch das mit Abstand kostspieligste Projekt der Gruppe: Der 11 Mrd. Euro teure Bau eines Rechenzentrums im brandenburgischen Lübbenau. Der erste Bauabschnitt soll bereits Ende 2027 fertiggestellt werden.
Auch Amazon errichtet in Brandenburg gerade eine große Rechenzentrums-Infrastruktur. Microsoft baut sich seinerseits ein Cluster in NRW; Google errichtet ein Rechenzentrum in Dietzenbach. Laut den Initiatoren des unter anderem von FragDenStaat gestarteten Projekts "Heiße Luft" sind derzeit in Deutschland 120 Rechenzentrumsprojekte geplant. Obwohl Datacenter für die Digitalisierung der Wirtschaft unabdingbar sind, ist ihr Aufbau wegen des hohen Strom- und Wasserverbrauchs umstritten.
+++Europas Aufrüstungsbemühungen im All sorgen bei Wagniskapitalinvestoren für leuchtende Augen: Im ersten Halbjahr 2026 flossen laut dem Datenanbieter Pitchbook 2,4 Mrd. Dollar in hiesige Raumfahrt-Startups – im gesamten Vorjahr waren es 1,5 Mrd. Dollar. Damit liegt Europa anteilsmäßig mittlerweile sogar vor Asien. Die finnische Satelliten-Firma Iceye vereinte allein ein Investment von gut 1 Mrd. Dollar auf sich. +++
+++Der europäische Eltif-Markt wächst 2026 weiter, wenn auch langsamer als im Vorjahr. Von Januar bis Ende Juli kamen nach Angaben der Ratingagentur Scope 49 neue Produkte hinzu, nach rund 70 im gleichen Vorjahreszeitraum. Die meisten Neuauflagen richten sich an Privatanleger. Eltifs (European Long-Term Investment Funds) sind eine europäische Fondsstruktur, über die Anleger in langfristige, überwiegend nicht börsennotierte Anlagen wie Private Debt, Private Equity oder Infrastruktur investieren können. (Zum Artikel)+++
+++Das Berliner Wärmepumpen-Scaleup Thermondo ist dank einer deutlich höheren Nachfrage nach den nicht-fossilen Heizgeräten erstmals auf Kurs zu einem profitablen Gesamtjahr. Das Unternehmen geht für 2026 von einem Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 12 Mill. Euro aus. Der Umsatz soll bei 275 Mill. Euro landen, was einem Plus von 30% im Vergleich zum Vorjahr entsprechen würde. Laut CEO Felix Plog gibt es in Deutschland mit dem Gebäudemodernisierungsgesetz nun mehr Sicherheit rund um die Förderung von Wärmepumpen. (Zum Artikel)+++
+++Der finnische Smart-Ring-Hersteller Oura will laut einem Medienbericht in den USA an die Börse gehen und dabei bis zu 3 Mrd. Dollar einsammeln. Die Erstnotierung könnte bereits im September erfolgen, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Bei dem Börsengang werde eine Unternehmensbewertung von mehr als 16 Mrd. Dollar angestrebt. Bei der letzten Finanzierungsrunde im Oktober vergangenen Jahres kamen die Finnen auf eine Bewertung von 11 Mrd. Dollar. (zum Artikel)+++
+++Das britisch-amerikanische KI-Startup Stability AI hat sich nach einer turbulenten Krisenphase das Vertrauen renommierter Investoren zurück erkämpft: Die 2019 in London gegründete Firma, deren KI-Modelle teilweise auf Forschungsarbeiten von KI-Wissenschaftlern aus Deutschland basieren, erhält in einer Series-B-Finanzierungsrunde 76 Mill. Dollar. Zu den Geldgebern gehören die in der Musikbranche als „Big Three“ bekannten Plattenfirmen Sony Music Group, Universal Music Group und Warner Music Group sowie der US-Gaming-Riese Electronic Arts. (Zum Artikel)+++
DER KOPF DER WOCHE
Nomura-Dealmaker Alex Bleck wechselt zu J.P. Morgan
Der Nomura-Dealmaker Alex Bleck verlässt die japanische Investmentbank nach drei Jahren wieder. Der renommierte M&A-Spezialist wechselt von Frankfurt nach London zum Rivalen J.P. Morgan. Bleck übernimmt dort ab 1. Oktober die Position des Head of EMEA Automotive Coverage.
Der Ex-Deutsche-Bank-Mann leitet somit die M&A-Beratung von Kunden aus der Autoindustrie samt Finanzierungen. Bei Nomura hatte er seit 2023 im Rang eines Managing Director als Head of Investment Banking in Deutschland und Österreich sowie als Co-Head of Industrials für Europa für den Gesamtkonzern gearbeitet. Zusätzlich war er – zeitweise gemeinsam mit Richard Hawwa, der später zur Citigroup wechselte – als globaler Co-Leiter für M&A im Segment „Mobility and Automotive Technology“ bei Nomura Greentech zuständig, einer auf grüne Technologien spezialisierten Einheit der japanischen Holding.
Bleck verfügt über mehr als 17 Jahre Erfahrung in der Corporate-Finance-Beratung. Seine Kernbereiche umfassen die Sektoren Industrie, Automobil, saubere Transporttechnologien sowie die Energiewende. Er kümmerte sich unter anderem um den Kauf der Datenzentren der Mainova durch Blackrock und um die Kapitalerhöhung von Eintracht Frankfurt. Nomura Greentech wurde im Jahr 2020 von Nomura übernommen und beschäftigt 25 Managing Directors und rund 150 Banker, während die Holding 26.000 Mitarbeiter zählt.